Mimikry

Mimikry ist ein besonderer Fall von analoger Ähnlichkeit. Von Mimikry ist dann auszugehen, wenn zwei Arten ein außergewöhnlich ähnliches äußeres Erscheinungsbild (Habitus) aufweisen, obwohl die entsprechenden Arten keinen gemeinsamen Vorfahren haben, auf den die gemeinsamen Merkmale zurückgeführt werden können. In einem solchen Fall hat sich der Habitus einer der beiden Arten immer mehr an den Habitus der anderen Art angepasst. Individuen der sich im Erscheinungsbild anpassenden Art konntendadurch selektive Vorteile gegenüber ihren Artgenossen erlangen, die diese Ähnlichkeit nicht aufwiesen.

Mimikry als Beispiel für Analogie

Untersucht man Mimikry betreibende Arten und vergleicht man diese mit der imitierten Art, dann wird klar das Mimikry eine analoge und keine homologe Ähnlichkeit darstellt. Oftmals entstammt die Mimikry betreibende Art einer taxonomisch anderen Klasse. Das Merkmal kann also nicht durch einen gemeinsamen Vorfahren vererbt worden sein (Homologie), sondern muss durch Anpassung entstanden sein. Üblicherweise entwickeln sich analoge Merkmale jedoch unabhängig voneinander als bestmögliche Anpassung an die selbe Umweltbedingung. Mimikry hingegen ist die bestmögliche optische Anpassung an den Habitus einer anderen, nicht verwandten Art und stellt deshalb unter den analogen Ähnlichkeiten einen Sonderfall dar.

analoge Ähnlichkeit

Unterschiede im Detail; keine Vererbung durch gemeinsamen Vorfahren, Entwicklung durch Mutation; Anpassung an Umwelt

Beispiele für Mimikry

Beispiel 1: Wespe - Schwebefliege

Etliche Arten der Gattung der Schwebefliegen (Episyrphus) ähneln in ihrem Aussehen stark den Wespen (Vespula), obwohl kein gemeinsamer Vorfahre existiert der diese Merkmale vererbt haben könnte. Wespen besitzen zur Verteidigung gegen Fressfeinde einen Giftstachel, weshalb sie zumeist von Insektenfressern verschont werden, die den Habitus der Wespe erkennen. Schwebefliegen hingegen sind dieser lebensbedrohlichen Gefahr schutzlos ausgesetzt, die Population steht unter Selektionsdruck. Durch Mutation erlangen einzelne Individuen zufällig äußere Ähnlichkeiten (Analogien) mit Arten der Gattung Vespula. Diese Individuen besitzen im Gegensatz zu Individuen der gleichen Population ohne diese Ähnlichkeiten einen selektiven Vorteil, da die Gefahr erbeutet zu werden durch die Ähnlichkeit des Aussehens zur Wespe wesentlich geringer ist. 

Unterschied zur Mimese

Die Mimese ist Mimikry sehr ähnlich. Hier imitiert eine Art jedoch nicht den Habitus einer anderen Art, sondern vielmehr die optische Umgebung ihres Habitats wie beispielsweise Baumrinde, Korallen, Blätter oder Zweige. Während Mimikry meistens dazu dient die besonderen Auffälligkeiten einer anderen Art zu imitieren und dadurch mit dieser verwechselt zu werden, dient die Mimese dazu gar nicht erst aufzufallen und bestmöglichst getarnt zu sein.